„la crème de la crème“, culture et communication

Mein Artikel für die mehrsprachig handeln-Blogparade zum Thema Frankreich

la crème de la crème

Dr. Katja Flinzner hat in ihrem Blog „mehrsprachig handeln“ zur Blogparade aufgerufen, mit dem Schwerpunktthema Frankreich. Unter dem Motto „Croissant, Carrefour, Carte Bleue“sollten die Artikel viele Facetten von Frankreich zeigen, ob Kultur, Kulinarik, französische Sprache, Politik etc..

Das Motto mit den Cs und der Name des Blogs inspirierten mich zu dem Titel meines jetzigen Artikels, der  natürlich mit meinem Lieblingsthema Essen zu tun hat. Aber diesmal unter einer etwas anderen Perspektive, nämlich  auch im Zusammenhang mit Kultur -eher gesagt Esskultur- und Kommunikation und insbesondere der Sprache.

Was haben die Begriffe „la crème de la crème, culture et communication“  miteinander zu tun? Viel mehr als Sie vielleicht vermuten.

Wenn es um „Völkerverständigung“ geht, ist Sprache einer der wichtigsten Bestandteile für eine gelungene Kommunikation. Gerade in Frankreich. Wer schon in meiner Heimat privat oder beruflich zu tun hatte, weiß wie hilfreich es sein kann, französisch zu sprechen. Denn meine Landsleute kommunizieren und verhandeln am liebsten in der eigenen Sprache. Über die reine Vermittlung von Informationen hinaus ist Sprache auch ein Vehikel für die jeweilige Kultur. Die kulturellen Unterschiede zu kennen ist für gute Kommunikation auch unabdingbar.

Jede Sprache hat ihre Besonderheiten. Um diese wirklich zu beherrschen bedeutet es auch, deren Feinheiten -„les finesses de la langue“ – zu verstehen. Dazu gehören auch alltägliche Redewendungen, die nicht wortwörtlich übersetzt werden können, sondern als Metaphern dienen. Und gerade diese sind besonders interessant, weil sie aus meiner Sicht viel über die jeweilige Kultur des Landes, die Gewohnheiten und die Mentalität verraten. Einige solcher Ausdrücke haben Ihren Ursprung in der Art und Weise, wie sich Menschen in den jeweiligen Kulturen ernähren, also in deren Esskultur. Darin werden zum Beispiel bestimmte landestypische Zutaten oder deren Zubereitung erwähnt.

In Deutschland spricht man zum Beispiel von „das ist nicht mein Bier“, „bei ihm/ihr ist Hopfen und Malz verloren“, „den Braten riechen“, „das macht den Braten auch nicht mehr Fett“, „eine Extrawurst bekommen“, „die beleidigte Leberwurst spielen“, „um den heißen Brei reden“, „nicht Fisch, nicht Fleisch“oder „kleine Brötchen backen“ .

In der Gourmet-Nation Frankreich dreht sich sehr viel um das Thema Kulinarik. Gut essen ist ein fester Bestandteil unserer Kultur, eine unserer Lieblingsbeschäftigungen und auch generell ein sehr beliebtes Gesprächsthema- auch wenn man gerade bei Tisch ist. Kein Wunder also, dass es in der französischen Umgangssprache  ganz viele Redewendungen gibt, die mit Essen zu tun haben.

Angefangen mit dem Ausdruck „la crème de la crème“, der sogar in der deutschen Sprache als Begriff übernommen wurde und „das Beste vom Besten„ bedeutet. Aber auch eingesetzt wird, wenn man von einer „feinen Gesellschaft“ spricht- die übrigens auch als „le gratin“ bezeichnet wird.

Es gibt aber viel mehr und ich möchte hier einige Beispiele mit beliebten Zutaten, Gerichten und Arten der Zubereitung nennen, die dies veranschaulichen.

So wie bei „la crème de la crème“, findet sich unsere große Vorliebe für Milchprodukte, wie Käse oder Butter, die oft in der traditionellen französischen Küche verwendet werden, aber auch für andere Grundzutaten wie Eier, Mehl in vielen Ausrücken wieder:

  • entre la poire et le fromage- zwischen der Birne und dem Käse : “zwischen Tür und Angel”
  • vouloir le beurre et l’argent du beurre: die Butter und das Geld für die Butter haben wollen: alles wollen, ohne etwas dafür zu geben
  • mettre du beurre dans les épinards- Butter in den Spinat reintun : seine finanzielle Situation verbessern, dazuverdienen
  • rouler quelqu’un dans la farine- jemanden im Mehl rollen: jemanden betrügen bzw. “über’s Ohr hauen”
  • mettre tous ses oeufs dans le même panier- alle seine Eier in den gleichen Korb reintun: ein Vorhaben von einer einzigen Sache abhängig machen ( mit einem gewissen Risiko )- ähnlich wie „alles auf eine Karte setzen“
  • vas te faire cuire un oeuf- Geh dir ein Ei kochen: „rutsch mir den Buckel runter“

In Referenz an Brotwaren, Kuchen, Tarte und andere süße Speisen:

  • avoir du pain sur la planche- Brot auf dem Brett haben: viel Arbeit haben
  • pour une bouchée de pain- für ein Brothappen : für wenig Geld- ähnlich wie „für einen Apfel und ein Ei“
  • ce n’est pas de la tarte- das ist wie eine Torte : das ist nicht einfach und das Gegenteil c’est du gâteau- das ist wie Kuchen: die Arbeit ist leicht
  • avoir de la brioche- der französische Hefekuchen- also ein Bäuchlein haben: hat man in Deutschland- wen wundert es- einen Bierbauch
  • la cerise sur le gâteau- Die Kirsche auf dem Kuchen: also das i-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen aber auch wie bei “das ist die Krönung” auch im negativen Sinne.
  • retourner quelqu’un comme une crêpe- jemanden wie eine Crêpe umdrehen – jemanden dazu bringen, seine Meinung innerhalb kurzer Zeit zu ändern.
  • donner de la confiture à des cochons-Schweine mit Marmelade füttern: Perlen vor die Säue werfen

In Referenz an Klassiker der französischen Küche wie Mayonnaise, Soßen, Senf, Wein und Essig:

  • la mayonnaise prend- die Mayonnaise gelingt: Die Situation entwickelt sich positiv
  • mettre quelqu’un à toutes les sauces- jemanden mit allen Saucen servieren: jemanden zu allen möglichen Arbeiten heranziehen
  • La moutarde lui monte au nez- Der Senf steigt ihm in die Nase: er wird sauer, wütend.
  • mettre de l’eau dans son vin: Wasser in seinen Wein reintun: Zurückstecken, seine Ansprüche zurückschrauben
  • tourner au vinaigre – zu Essig werden, was der Wein durchaus machen kann, wenn er schlecht wird: eine schlechte Wendung nehmen

Im Bereich Obst und Gemüse finden wir sehr viele weitere Beispiele, unter anderem:

  • haut comme trois pommes- hoch wie 3 Äpfel: „Dreikäsehoch“
  • être une bonne poire- wie eine gute Birne sein: ein bisschen naiv sein, der gutmütige Trottel
  • sucrer les fraises- die Erdbeeren zuckern: stark zittern- auch altersbedingt
  • c’est la fin des haricots-das Ende der Bohnen: alles ist verloren. „Alles im Eimer“
  • la purée de pois- Erbsenpuree: dichter Nebel, die “Erbsensuppe“
  • ce ne sont pas mes oignons- das sind nicht meine Zwiebeln: „Das ist nicht mein Bier“
  • être aux petits oignons- mit kleinen Zwiebeln gemacht: sich um jemanden mit viel Sorgfalt kümmern
  • pour des prunes- für Pflaumen: für nichts und wieder nichts
  • Das in Deutschland geliebte Sauerkraut kommt in Frankreich eher in negativen Ausdrücken vor, wie:
    •  pédaler dans la choucroute- in dem Sauerkraut strampeln: den Durchblick verlieren, im Dunkeln tappen.
    •  aucun rapport avec la choucroute- kein Vergleich mit Sauerkraut: Vergleich ohne Bezug, aus dem Kontext heraus.

Auch in Frankreich haben wir Wurstwaren, allerdings andere Sorten, wie zum Beispiel le boudin- eine Art Weißwurst-, l’andouille- eine Kuttelwurst- und unsere berühmte Pâté:

  • Faire son boudin: Schmollen, ähnlich wie „beleidigte Leberwurst“
  • être un boudin: dick sein, ähnlich verwendet wie Wurst
  • une andouille: ein Depp, blöd etc.
  • avoir la tête dans le pâté- den Kopf in der Pâté haben: einen dicken Kopf,  einen Kater haben

Zum Schluss noch einige Begriffe, die sich mit Gefäßen, Küchenutensilien etc. befassen:

  • ras le bol- die Trinkschale voll: „Die Nase voll haben“
  • en faire tout un plat-ein ganzes Gericht daraus machen: „aus einer Mücke einen Elefanten machen“
  • mettre les pieds dans le plat-die Füße in die Platte tun: „ins Fettnäpfchen treten“
  • à la louche- mit dem Schöpflöffel: ungefähr, “über den Daumen gepeilt”
  • faire bouillir la marmite- den Topf zum kochen bringen: die Brötchen für die Familie verdienen

Dies war natürlich nur eine kleine Auswahl, aber sie macht anhand der Übersetzung ins Deutsche ein bisschen deutlicher, welche Unterschiede es zwischen den zwei Ländern gibt. Und ich hoffe damit, Ihnen ein bisschen geholfen zu haben, Ihr Sprach-Repertoire zu erweitern.

 

9 Gedanken zu “„la crème de la crème“, culture et communication

  1. Quelle bonne idée ! Je remarque maintenant, vivant loin de la France et de l’Allemagne, combien les discussions varient… Des Français autour de la table ? Nous parlerons beaucoup de food, du repas même, des meilleurs magasins pour faire les courses, des restaurants à essayer (dur dur !). Des Allemands ? Je devrais utiliser le nous collectif, vu mon passeport… On parlera de voitures !!! De l’isolation (inexistantes) des maisons et des machines à laver qui font des trous dans les vêtements. Quant aux Américains… Il faudra aller vite pour manger. Dans des assiettes en plastique, avec les doigts… Time is money!
    Oui Françoise, les différences culturelles sont très vivantes autour d’une table !

  2. Bravo! les expressions allemandes qui traduisent approximativement les notres, montrent bien l’importance que nos goûts culinaires prennent dans l’expression de notre pensée.

  3. Bravo! pour moi, les expressions allemandes sont particulièrement interessantes. Elles laissent apparaître nos différences culturelles quant à l’impact de nos habitudes alimentaires dans notre vie!!

    • Oui, et c’est vraiment par le biais de ces expressions-qu’elles soient d’ailleurs culinaires ou autres- que les différences culturelles sont claires.

    • Liebe Valentina, es freut mich, wenn ich einige Impulse geben konnte! Und vielleicht können wir noch weitere Redewendungen bei einer der nächsten Table rondes in Frankfurt diskutieren oder bei einer meiner Table d’hôtes im Geist- und Gastraum. Herzliche Grüße.

  4. Liebe Françoise,

    vielen herzlichen Dank für diesen schönen Beitrag zur Blogparade! Besonders gut gefällt mir das Bild “mettre tous ses oeufs dans le même panier”, das so schön anschaulich ein großes Risiko zeigt, dass man den entsprechenden Korb wirklich sehr vorsichtig handhaben möchte… :-) .

    Herzliche Grüße
    Katja

    • Liebe Katja, ja das Schöne an diesem Beispiel ist in der Tat, wie bei vielen Redewendungen, dass man sofort ein Bild vor Augen hat! Herzliche Grüße. Françoise

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