„Aurélie Bastian“: Der neue Online-Shop für französische Köstlichkeiten und die Kochschule

Interview mit Aurélie Bastian über ihr neues Projekt

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Aurélie Bastian braucht man bei frankophilen Genießern eigentlich kaum vorzustellen. Denn die sympathische und herzliche Französin, die nach Deutschland der Liebe wegen gekommen ist, ist durch ihren Blog „Französisch kochen & backen“  bereits bestens bekannt und hat sich seit 2009 eine treue Fangemeinde aufgebaut. Und in Facebook folgen ihr mittlerweile mehr als 2000 Genießer. Im Mai hat sie sich mit einem Online-Shop für französische Genuss-Produkte und einer Kochschule selbständig gemacht.

In ihrem 2009 gestarteten privaten Blog stellt sie selbstkreierte französische Rezepte vor, ganz einfach Schritt für Schritt erläutert und mit zahlreichen sehr appetitanregenden Bildern. Darunter herzhafte aber vor allem viele unwiderstehliche Desserts und Süßigkeiten, allen voran die berühmten Macarons, in jeglicher Geschmacks- und Farbvariation. Für viele ist Aurélie die Macaron-Fee schlechthin, denn ihr Anliegen ist es, dass jeder diese kleinen Köstlichkeiten ganz einfach zu Hause zaubern kann.

Aurélie Bastian

Aurélie Bastian

Aus diesem Hobby-Blog und ihrer Passion zum Essen und Kochen hat sich eine Geschäftsidee und Herzensprojekt entwickelt. Anfang Mai 2013 hat sich Aurélie Bastian einen Traum erfüllt und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt: mit einem Online-Shop für französische Feinkost und hochwertige Kochutensilien. Dazu hat sie noch in Halle, wo sie mit ihrer Familie lebt, eine Kochschule eröffnet, wo sie Back-und Kochkurse für Erwachsene und Kinder anbietet.

Darüber hinaus bietet sie für Unternehmen, Verlage etc. Fotostyling, Rezeptentwicklung und Show-Kochen für Events. Ein volles Programm rund um Kochen und Backen also.

Ich folge seit langem ihren Blog und fand ihre neue Geschäftsidee sehr spannend. Denn mich interessieren generell Menschen, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen und ich wollte mehr darüber erfahren. So kam es zu diesem heutigen Interview. 

Françoise: Aurélie, erstmals vielen Dank, dass du dir heute die Zeit für dieses Interview genommen hast. Denn du hast im Moment mit deinem Projekt jede Menge zu tun. Und wie du in deinem Blog erzählst, gab es vor dem Start einige Schwierigkeiten. Was mich zuerst interessiert ist, wie du zu dieser Idee kamst. Hast du diesen Traum schon länger gehabt?

Aurélie: Ich habe bisher meinen Blog wirklich nur als Hobby betrachtet. Aber seit einem Jahr gibt von meinen Lesern viel Nachfrage nach Tipps über Frankreich. Es wird z.B. gefragt, wo man typische Französische Produkte in Deutschland kaufen kann, ob ich Produkte aus Frankreich mitbringen kann, oder verschicken kann, wenn ich mal wieder dort war, was ich auch tatsächlich gemacht habe.

Und es gab auch viel Nachfrage nach Backkursen für Macarons und nach Kochkursen.

Es hat einfach angefangen mit kleinen Macarons Backkursen in einem kleinen Kaffee. Die Menschen sind aus ganz Deutschland extra nach Halle angereist. Ich war sehr überrascht. Die Teilnehmer fragten mich immer wieder, ob ich Backformen oder spezielle Zutaten verkaufe. Sie wollten meine Meinung über dieses oder jenes Produkt wissen. Und da kam die Idee einen Online-Shop zu eröffnen.

Damals habe ich so viel neben meinem Job für den Blog und die Kurse gearbeitet, dass ich mich entschieden habe, von meiner Leidenschaft zu leben. Ich habe gedacht, jetzt oder nie. Et hop, der Sprung in die Selbstständigkeit war getan. Es ist ein bisschen wie ohne Fallschirm zu springen. 

Françoise: Essen und kochen sind deine große Leidenschaft. Was ist eigentlich generell deine Philosophie zu dem Thema?

Aurélie: Um jemand Appetit oder Lust zum Nachbacken/kochen geben zu können, muss ein Gericht schön und lecker sein.

Aber das ist nicht alles, es sollte auch einfach sein und wenn möglich schnell gehen. Heutzutage arbeiten wir viel und haben nur wenig Zeit, jeden Tag frisch zu kochen. Ich versuche zu zeigen, dass man ein tolles Gericht in wenigen Schritten und in wenig Zeit für seine Familie vorbereiten kann. Ziel ist es, die Haute Cuisine greifbar zu machen.

Und als Letztes muss es ausgefallen sein. Rezepte können immer neu interpretiert werden. Mit Einfluss von anderen Kulturen oder Essgewohnheiten.

Françoise: Fangen wir mit dem Online-Shop an. Es gibt ja bereits einige Online-Shops für französische Feinkost. Welche Art von Produkten kann man bei dir kaufen? Hast du dich auf etwas Besonderes spezialisiert?

Aurélie: Mein Motto für den Online-Shop : klein aber fein. Ich versuche Produkte von kleinen Unternehmen vorzustellen, aber auch hoch qualitative Produkte wie Valrhona Schokolade (die ein Muss für jeden Backsüchstigen ist), und auch Nougat direkt von Montélimar von „Le roy René“. Diese Beispiele sind in Frankreich bekannt für ihren Geschmack und Qualität, und es ist sehr bedauerlich, dass man sie in Deutschland nicht einfach besorgen kann.

Ich möchte die Möglichkeit geben, an Produkte zu kommen, die man sonst fast nur in Frankreich bekommt, für einen nicht übertriebenen Preis.

Ein Hauptpunkt ist auch, diese kleinen französischen Unternehmen zu unterstützen und in Deutschland bekannt zu machen.

Françoise: Diese kleinen besonderen Firmen von denen du gerade gesprochen hast, welche sind es zum Beispiel? Worauf achtest du bei der Wahl der Produkte?

Aurélie: Die Firmen produzieren Spezialitäten aus der Region. Sie verwenden traditionnelle Rezepte und „Savoir-faire“ und achten sehr auf Qualität statt auf Produktivität.

Ich habe zum Beispiel die Firma „ les délices Bigoudins“ bei einer Reise in die Bretagne entdeckt. Ich suchte traditionnelle Bretonische Kekse und Karamell und habe auf einem Markt eine kleine Austellung ihrer Produkte gesehen. Ich habe einfach gefragt, mit welchen Zutaten alles vorbereitet wurde, und ob es möglich wäre, die Fabrik anzusehen. Ich war begeistert, dass in ihren Produkten nur Beurre de Baratte demi-sel , Mehl und Eier aus der Bretagne verwendet wurden. Die Produkte werden nur von wenigen Mitarbeitern hergestellt.

Ich möchte also den Weg zwischen diesen guten Produkten und den deutschen Kunden vereinfachen, weil sie, wenn überhaupt, nur einmal im Jahr nach Frankreich fahren !

Françoise:Hast du in diesem Sortiment Lieblingsprodukte? Was soll der Verbraucher unbedingt probieren?

Aurélie: Also ich bin süchtig nach Palets Breton (Bretonische Kekse), aber die Anis sind auch ein kleines Stück Frankreich. Die Calissons und der Nougat sind auch sehr schwierig in Deutschland zu bekommen und ich genieße sie sehr gerne. 

Françoise: Neben dem Online-Shop hast du jetzt auch eine eigene Kochschule in Halle. Was können Erwachsene und Kinder bei dir lernen?

Aurélie: Die Kochschule heißt bei mir „ Koch- und Backatelier“. Ich habe es mir so ausgedacht, weil es ein Ort sein sollte, wo man sich wohl fühlt, etwas lernt und etwas genießen kann. Es ist wichtig, dass jeder Teilnehmer Spaß hat und Lust zum Nachkochen ( -backen) bekommt. Um es gut umsezten zu können, sind immer kleine Gruppen geplant ( 6-8 Pers.).

Ich hatte erstmal nur Backkurse geplant, selbstverständlich Macarons, und Tartelettes. Aber auch Kinderbackkurse wurden geplant, um den Kindern Lust auf Backen und Kochen zu geben. Wichtig ist es, dass die Kinder wissen, was sie essen und dass man Obst oder Gemüse kombinieren kann.

Da die Nachfrage so groß war, habe ich sofort Kochkurse angeboten. Man kann die französische Küche entdecken, neue Geschmackskombinationen lernen. Ich versuche auch die große Angst vor der so schwierigen Französischen Küche wegzunehmen, indem ich zeige, dass man, in wenigen Schritten ein tolles und feines Menü zaubern kann.

Françoise: Meine letzte Frage:  bei allem was du tust, geht es dir darum die französische Küche und Esskultur hier in Deutschland bekannter zu machen. Jetzt lebst du einige Jahre in Deutschland und du kannst ein bisschen vergleichen. Was ist für dich typisch französisch? Woran unterscheiden sich am meisten Deutschland und Frankreich in Sachen essen?

Aurélie: Typisch Französisch ist für mich eine Blanquette de veau und eine kleine Crème brûlée à la lavande. Es ist auch der Fromage blanc und die unzähligen Joguhrt-Sorten. Ich lache auch immer über Französische Spezialitäten, die man in Deutschland findet, die es aber in Frankreich gar nicht gibt : die überbackene und belegte Baguette. Es ist für mich ein Sakrileg an unseren nationalen „Jambon-Beurre“ , mit oder ohne Cornichons.

In Frankreich zählen der Geschmack und die Sauce. Die Mengen sind immer klein, so dass man 3 bis 4 Gänge essen kann. Es muss immer etwas Platz für die Nachspeise übrig bleiben!. Die Mahlzeit in Frankreich wird genossen und braucht dafür viel Zeit.

In Deutschland werden die Mahlzeiten meistens schneller zu sich genommen ( 15-20 Minuten), und es gibt sehr oft keine Nachspeise. Die Geschmackskombinationen sind hier auch sehr aussergewöhnlich. Viele Fleischgerichte werden mit Ananas gekocht, oder Käseschnitten mit Kiwi oder zusätzlich noch Mandarinen vorbereitet. Das ist für meinem Französischen Gaumen unvorstellbar. Aber wenn es jemand schmeckt, warum nicht. Die Deutschen sind offener für solche Variationen. 

Liebe Aurélie, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg mit deinem tollen Konzept! Et à bientôt.

Hier nochmals alle Links zu dem Angebot von Aurélie:

Ihr Blog: www.franzoesischkochen.de

Ihr Online-Shop und die Kochkurse: www.aureliebastian.de

Fotoquellen: Aurélie Bastian

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